Was Buchauswahl mit der Auswahl eines Partners zu tun hat? Krass viel! Bücher tun etwas mit uns Frauen, wir wählen sie strategisch aus. Wir versprechen uns etwas vom Lesen. Das gleiche tun wir, wenn wir auf Männer treffen.

Wir treffen bei der Männerauswahl schwerwiegende Entscheidungen

Bevor ich im Winter 2015 nach New York City geflogen bin, musste ich eine schwerwiegende Entscheidung treffen – im buchstäblichen Sinne. Es sind ja gerade mal 20kg, die ein Gepäckstück im Flieger wiegen darf. Und meine Bücher, die sind schwer. Die wiegen was. Ich habe mich für meinen üblichen Lonely Planet entschieden und Adam Braun´s “The Promise Of A Pencil”. Von vielen, vielen Büchern, hat es Adam Brauns geschafft. Meine Männerauswahl lief ähnlich ab.

Als ich Adam Brauns Geschichte zum ersten Mal hörte und sah, plärrte ich Rotz und Wasser. Versteht mich nicht falsch, Adam war/ist ein netter US Amerikaner in den 30ern, ohne (für beobachtbares) Drama in seinem Leben. Was mich bei Adam Braun so unglaublich berührt hat, war die selbstverständliche Natürlichkeit im Umgang mit der Bedeutung seines Lebens. Mit seinem “purpose”. Das ist das englische Wort für Lebensauftrag, Daseinszweck, Mission, Bedeutung im Leben. Ich mag das Wort “purpose”, weil es so klar ist. Es ist nicht bis in die Unkenntlichkeit durch Esoterik verunstaltet worden, die jeden abhängt, der sich weigert, seinen Verstand an der Kasse abzugeben.

Adam Braun baut Schulen in Entwicklungsländern für Kinder. Falls Du Deinen “purpose” kennst, dann weißt Du, wie es sich anfühlt, wenn Deine Mission auf eine ähnliche trifft. Lebensaufträge erkennen einander. Das Entspannende an der Klarheit zum eigenen Daseinszweck ist für mich, dass man dadurch auch alles andere erkennt, das nicht zu einem passt. Adam Braun und “Pencils of Promise” passt zu mir. Genau wie mein Mann zu mir passt.

Es sind nicht dicke Gehaltschecks oder schillernde Perlenketten, die Frauenherzen (wie unsere) höher schlagen lassen. Es ist seine tiefe Verbindung zum Leben, die ein Mann hat.


Am Klappentext erkennst Du Menschen, die zu Dir passen

Wenn Du zwei Autoren beauftragst, über ein und dasselbe Leben zu schreiben, bekommst Du zwei verschiedene Geschichten. Jörn ist der Autor seines wunderbaren Lebens und ich habe es in seinen Roman geschafft, genau wie er auf einigen meiner Seiten steht. Obwohl wir zusammen leben, schreibt Jörn eine andere Geschichte in sein Buch. Und ich schreibe andere Dinge in meines. Manchmal lesen wir dem anderen daraus vor, manchmal nicht.

Manche Seiten sind geheim, die gehen nur mich etwas an. Manchmal wissen wir beide nicht, was wir als nächstes schreiben wollen, auf die leeren Seiten unserer Bücher. Keiner von uns käme auf die Idee, dem anderen sein Buch weg zu nehmen, um etwas hinein zu kritzeln, das uns gerade passen würde. Niemand kann die Geschichte eines anderen Menschen schreiben. Du kannst höchstens Glück haben, wenn Du einer der guten Hauptfiguren darin wirst.

Ich lese gerne Bücher, die etwas mit mir zu tun haben. Um einen guten ersten Eindruck zu kriegen, studiere ich den Klappentext. Es gibt Menschen, die haben keine Ahnung, was auf ihrem Klappentext stehen soll. Stell Dir vor Du suchst nach Deinem idealen Lebenspartner – oder willst Dich finden lassen. Wie soll das gehen, wenn ein Leser nur wirres Zeug auf Deinem Buchrücken liest? Oder noch schlimmer: Was, wenn das, was dort steht, gar nicht zu Dir gehört, weil jemand anderes für Dich Deine Geschichte geschrieben hat? Da ist es doch vollkommen logisch, dass Du entweder keine oder die falschen Leser ansprichst.

Die Männerauswahl im Leben passiert ähnlich. Bevor wir gefunden werden, gibt es einen Auftrag:

Schreibe Deinen Klappentext. Was ist Deine eigene Geschichte? Bleibe dabei. Füge nichts hinzu, das nicht zu Dir gehört. Manche Frauen haben die Tendenz, ihre Geschichte umzuschreiben – je nach Mann. Tu das nicht. Du willst doch geliebt werden als diejenige, die Du bist. Das bist Du auch wert und es gibt Männer, die das erkennen – wenn man sie lässt.

Lebenspartner sind wie Bücher auf Langstreckenreisen

Wenn Du weißt, wer Du bist und wohin Deine Reise grob gehen soll, dann triffst und erkennst Du Menschen, die zu Dir passen. Das sind diejenigen, die Du auf Langstreckenreisen durch Dein Leben mit nimmst. Das sind diejenigen, denen Du am Lagerfeuer Deine Geschichte vorliest und denen Du zuhörst, wenn sie ihre eigene teilen. Wenn Du keine Ahnung hast, was Du in Dein eigenes Buch schreiben sollst, frag diejenigen, die bereits Bestseller veröffentlicht haben. Vielleicht ist es Dein Nachbar, ein Kollege, Steve Jobs oder Jeanne D’Arc. Ja, man kann auch von Toten lernen. Geh in ein Museum oder lies ihre Werke oder sprich mit Menschen, die sie gekannt haben.

Heute morgen (meine Zeit in New York) rief ich spontan meinen Herzallerliebsten an. Das ist der Kerl, den ich vor 15 Jahren “zufällig” auf einer Geburtstagsfeier getroffen habe – um ihn 15 Jahre später als denjenigen zu erkennen, mit dem ich durchs Leben reisen will.

 

Mit Lebenspartnern ist es wie mit Büchern auf Langstreckenreisen. Du musst Dir schon gut überlegen, wen Du mit Dir tragen willst.

Für mich kommen nur Bücher in Frage, deren Inhalt mich berührt. Ich muss ihren Geruch lieben und wenn ich über ihren Rücken streiche wissen, dass ich es immer wieder tun würde, weil es sich gut anfühlt.

In manchen Partnerschaften bist Du Wächter und gleichzeitig Gefangener

Jörn und ich gehen eher öfters als selten getrennte Wege. Es gibt Paare, die sind so miteinander verschmolzen, dass ich den einen kaum noch vom anderen Menschen unterscheiden kann. Die scheinen ihre eigenen Lebensbücher auf dem Standesamt verbrannt zu haben, um sich danach eines zu teilen. Bloß… Wer schreibt da wann was hinein? Wer schreibt am meisten, wer am wenigstens? Wer reißt Seiten raus oder diktiert dem anderen seine Geschichte? Das ist mangelnde Eigenverantwortung für das Leben.

Manchmal bedeutet Partnerschaft Gefangenschaft, bei der Du Wächter und gleichzeitig Gefangener bist.

Mein Mann antwortete heute morgen auf meine Aussage hin, dass ich ihn vermisse (und den Hund, wirklich in dieser Reihenfolge): “Oh man, wie schön. Ich bin aber ehrlich, ich genieße jede Sekunde hier, auch ohne Dich. Ein Mann und sein Hund, mehr brauche ich gerade nicht.”

In mir hat dieser Satz eine Welle der Liebe ausgelöst. Einfach, weil ich es geschafft habe, eine Plattform mit diesem Mann zu bauen, auf der jeder mal ganz für sich alleine sein – und es angstfrei aussprechen kann. Einer von uns in New York City (während ich das hier schreibe im Starbucks, East 40th) und einer in München (Couch, mit Hund).

Hier kommt das System

  1. Welche Bücher liest Du gerne und welches Gefühl geben sie Dir?
  2. Welche Bücher würdest Du niemals auf eine Langstreckenreise mitnehmen? Was ist der Grund?
  3. Welche Männer magst Du gerne und welches Gefühl geben sie Dir?
  4. Welche Männer würdest Du niemals auf eine Langstreckenreise mitnehmen? Was ist der Grund?
  5. Was steht auf Deinem Klappentext?

Schnapp Dir nen Stift und schreib es auf. Los, mach´s einfach!

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