Ich höre, dass sie etwas sagt und ich sehe, wie sich ihre Lippen bewegen. In meinem Gehirn passiert ein Gewitter, aber ich erkenne keinen Sinn. Mein Verstand kann sich keinen Reim daraus machen, was Paola Molinari meint. Ich lasse das Geschenk liegen, das sie mir gerade gemacht hat. Ich lasse es genauso liegen, wie viele Menschen in meinem Umfeld, überall auf der Welt. Wir bekommen so viele Male in unserem Alltag etwas überbracht, das uns auf unserem Weg begleitet und heilsam wirkt – aber wir sehen es nicht, weil entweder unser Ego das Ruder in der Hand hält oder unser Geist noch nicht so weit ist, um den wunderbaren Inhalt zu erkennen. Mein Leben ist zu dieser Zeit ein Chaos und ich bin voll in der Krise.

Im Winter 2013 bin ich definitiv weit davon entfernt, das zu wissen. Mein Ego ist voll auf Kurs und ich bin voll im Eimer:

  • Jeden Abend Alkohol (das gesunde Glas Rotwein oder Guten-Abend-Bier zum Einschlafen): Check.
  • Halbe Schachtel Zigaretten am Tag (hey, andere rauchen mehr oder leben unter einer Smog-Decke in Großstädten): Check.
  • Zu wenig Schlaf, weil Arbeit ja das Wichtigste ist: Check.
  • Arbeit priorisieren, weil Freunde, Partner und Familie schließlich für immer greifbar sind: Check.
  • Burnout rückt immer näher: Check.
  • Gesundheit am Boden, ständig krank: Check.
  • Auf der Karriereleiter weit nach oben in Rekordgeschwindigkeit: Double-Check.
  • Stete Zufuhr von Zucker aka Schokolade, Gummibärchen und Co: Triple-Check.
  • Zugang zu mir selbst verloren: Check.

Von Menschen die wissen was man braucht, wenn man es selbst gerade nicht weiß

Paola weiß das alles, aber sie hält mir den Spiegel meiner Selbstverantwortung, meiner destruktiven Strategien, meines übermächtigen Egos und selbstverursachten Lebensumstände nicht vor. Sie weiß, dass ich jetzt etwas anderes brauche:

  • Jemanden, der mich annimmt – so, wie ich bin.
    (Ablehnung und Vorwurf erzeugen Widerstand und Starre. Annahme und Wertschätzung erzeugen Bewegung.)
  • Jemanden, der das, was hinter meiner schützenden Maske verborgen liegt, bereits jetzt schon zu lieben beginnt.
    (Liebe kommt in vielen Facetten daher und manchmal tritt sie in Form von Geduld und Beharrlichkeit auf).
  • Jemanden, der mir einen Ort bietet, an dem ich behütet lernen kann, ich selbst zu werden und zu sein.
    (Heilsame Orte beinhalten eine besondere Energie, die auf unser Gesamtsystem wirkt)
  • Jemanden, der das Leben liebt und vom Leben zurück geliebt wird.
    (Das Leben folgt universalen Gesetzen).

Oftmals wissen wir selbst nicht, was wir brauchen. Dann ist es gut, Freunde oder Familie zu haben, die uns immer wieder davon berichten, dass es noch etwas anderes auf dieser Welt gibt als das, was wir glauben (zu brauchen).

Campo Molinari ist ein seltenes Umfeld, das Körper, Geist und Seele in Einklang bringt. Das, was folgt, ist die Anbindung an das, weswegen ein Mensch auf der Welt ist. Wer seinen Platz im Leben gefunden hat (und letztlich seine Bestimmung kennt) der wird nie wieder verloren gehen. Und wenn es doch einmal passiert (es ist ganz menschlich), dann sind auf dem „campo“ genug Menschen mit helfenden Händen parat. Du gehst nicht unter im Sturm des Lebens, wenn Du weißt, dass Rettungsschwimmer in der Nähe sind. Du gehst deinen Weg mit weniger oder keiner Angst. Auch gut.

Tabus tschüss – hallo Heilpraxis

Wenige Monate später im Englischen Garten in München: Ich erzähle Tatiana Klein von meiner Neuentdeckung „Campo Molinari“ und berichte ihr von meinen ersten Gehversuchen als „gesamtgesunder Mensch“, während ich Flummi bei seinen ersten Gehversuchen als Junghund beobachte und ihren kleinen Sohn Karl (in den ich mich heimlich verliebt habe) im Hundetraining anleite.
Wir sprechen in einer Pause über Darmpilze.
Jip.
Keine Tabus bei mir und wenn jemand Darmpilze hat, Mensch oder Hund, dann bekommt das Thema Raum.
„Also, jeder hat Darmpilze, aber wenn die Überhand nehmen, dann is halt ungesund“, sagt Tatiana und ich blicke sie fragend an.
„Hä? Meinst du, ich hab welche zu viel, oder wat?“ sach ich in NRW-Slang, weil bin ja in Kölle oder Bonn regelmäßig. Arbeite da oder bilde mich fort.
„Bei dem Zuckerkonsum, den du an den Tag legst…“ kriege ich als ehrliche Antwort, während ich mir Gummibärchen in den Mund schiebe.
Touché.
Zwei Wochen später sitze ich bei meiner Heilpraktikerin Sabina auf dem Sessel. Eigentlich müsste es eine rote Couch sein, denke ich nach unserer ersten Sitzung.

Sabina krempelt mich um. Dauert Jahre. Mein Inneres kehrt nach Außen und wieder zurück und dann wieder von vorne. Das ist kein bloßer Hausputz, denk ich manchmal. Noch nicht mal Kernsanierung. Das ist Abriss und selbst das Fundament wird abgetragen und neu gelegt. Weiß ich damals glücklicherweise nicht. Meine Sicht und Einsicht in das Mysterium namens Leben verändert sich radikal, tief und nachhaltig. Diese spirituelle Lehrerin besitzt eine besondere Qualität und sie dringt in Bereiche und Räume vor, in die sich nur wenige Menschen hineinwagen. Weiß ich damals glücklicherweise auch nicht.

Manchmal ist es gut, wenn diejenigen, die uns liebevoll führen, nicht erzählen wohin sie uns begleiten.

Wenn du gefallen bist, steh wieder auf – und lass dir helfen

Das Leben hat es nur gut gemeint mit mir. Freilich weiß ich das nicht 2014, denn es kracht alles nach und nach zusammen. Während (beinahe alles) nach und nach zusammen kracht, fangen mich Paola und Sabina regelmäßig auf. Nicht immer auf die schmerzfreie Art (fast nie, um ehrlich zu sein), aber wer sich so tief in die Schei**e geritten hat, wie ich, der muss halt auch lernen, wie man da wieder raus kommt. Training für´s Leben ist anstrengend.

  • Ich höre Dinge, die ich nicht hören will – aber die beiden Frauen haben den Mut, sie mir zu sagen.
  • Ich tue in der Konsequenz Dinge, vor denen ich Angst habe – und die beiden Frauen stärken mich bei meinen Schritten.
  • Ich ändere meine Sichtweise und erschrecke vor dem, was ich sehe – und die beiden Frauen teilen ihre eigene Wahrnehmung mit mir.
  • Ich schlage einen kompletten Kurswechsel ein… und lasse los – und die beiden Frauen bringen mir bei, dass die Hingabe ans Leben Mut bedeutet.
  • Ich gebe meinen inneren Raum frei – und dem Leben die Erlaubnis, ihn zu befüllen mit sich selbst.

Was ich daraus gelernt habe, nachdem ich mein Leben an die Wand gefahren habe

  • Wir begegnen ständig wertvollen Menschen. Auch diejenigen, die wir lieber zum Mond schießen möchten, bringen uns letztlich etwas über das Leben bei.
  • Es ist unsere Entscheidung, WIE wir mit Situationen umgehen und WIE wir reagieren. Emotionen sind ein Hinweis darauf, dass ein Moment ETWAS mit uns macht. Die REAKTION darauf ist eine willentliche Entscheidung. Hab ich diese Lektion gemeistert? Nee. Bleib ich dran? Auf jeden Fall.
  • Das Leben ist dazu da, dass wir es in der Tiefe erleben und erforschen.
  • Wir leben, um besser zu werden. Jeden Tag, jede Sekunde ein bisschen mehr. Wir tun das, weil die Menschheit mehr ist, als sie glaubt. Das sieht sie freilich nicht in ihrer Gesamtheit, aber ich habe erfahren, dass es nur eine kritische Masse einzelner Menschen (wie dich) braucht, damit wir ein „level up“ bekommen.

Mach´s einfach! Am besten ab heute.


picture credit: hannah busing

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