November 2017. Ich höre den Anrufbeantworter meiner Hundeschule ab: „… wir haben schon so vieles ausprobiert, aber wir kommen einfach nicht weiter…“ lautet der mittlere Teil der Nachricht und zum Schluss kommt „Frau Rahtgens, Sie sind jetzt unsere letzte Hoffnung, wenn das wieder nicht klappt, sind wir am Ende.“ Was zwischen den Zeilen gesagt wird, aber nicht laut ausgesprochen: „Wie erkenne ich als Hundehalter eigentlich, was die richtige Hundeerziehung für mich und meinen Hund im speziellen ist? Wo finde ich sofort einen passenden Hundetrainer für mich und meinen Hund, damit ich nicht jahrelang suchen muss?“

Wenn man als Hundetrainer irgendjemandes letzte Hoffnung im Hundetraining ist, dann heißt das, dass ein Hundehalter im Labyrinth der tausend Fragen und abertausend Ratschläge in der Hundeerziehung verloren gegangen ist. Es bedeutet, dass seitens der Menschen vieles am und mit dem Hund ausprobiert wurde – und nichts funktioniert hat, um das Problem zu lösen. Im Klartext: Da steckt ein Hundemensch verzweifelt fest und weiß nicht, welche Abzweigung er nehmen soll, um endlich aus diesem Irrgarten hinaus zu finden.

Nach wie vor suchen Menschen Antworten für die ideale Hundeerziehung – und am liebsten möchten sie einen schnellen Erfolg. Aus Zeitgründen, aus Kostengründen, aus Allerleigründen.

Ich kann das verstehen. Das Internet wimmelt von Ratgebern und wir leben in einer Zeit, in der schnelle Lösungen den Umsatz von Firmen fördern und deshalb werden uns Veränderungen als Leichtigkeit verkauft. Es ist verwirrend und manch ein Hundefreund verzweifelt an der Vielzahl an Möglichkeiten, die angeblich „richtig“ sind. Das ist Fluch und Segen zugleich – denn was heißt „richtig“? Wie zum Teufel erkenne ich als Hundehalter, welcher Trainingsweg mit welcher Trainingsmethode „richtig“ ist?

Ich bin der Meinung,

DAS FINDET EIN PASSENDER HUNDETRAINER MIT DIR HERAUS.

Hunde-Erziehung ist keine Hexerei oder ein gut gehütetes Geheimnis: Es gibt alle Informationen da draußen, die wir Hundehalter brauchen, um zusammen mit unseren Vierbeinern glücklich zu leben. Es ist alles an Wissen da, das gebraucht wird, um einem Verhaltensproblem beim Hund fachlich korrekt zu begegnen. Und weil es viele Jahre dauert, bis man dieses ganze Wissen aufgesaugt und dann auch noch in hunderten verschiedenen Fällen angewandt hat, ist es völlig okay, dass da draußen spezialisierte Menschen sind, die sich ihr Einkommen damit verdienen: Hundetrainer.

WORAN DU EINEN HUNDETRAINER ERKENNST DER ZU DIR PASST

Als Hundehalter liebst du deinen Hund. Du vertraust darauf, dass Tierärzte, Hundetrainer, Tierheilpraktiker, Gassigeher und Co. ihren Job bestmöglich machen – denn es geht hier um weitaus mehr, als um ein fellig-artfremdes Wesen, das unseren Alltag mit uns teilt. Ein Hund ist Familie, Freund, Zuhause, Spaß. Mindestens. Doch nicht jeder Hundetrainer passt zu dir und deinem Hund. Sympathie spielt eine große Rolle, genauso wie Vertrauen und ein Leitfaden, woran man einen passenden Hundetrainer erkennt. Hier kommen die wichtigsten Kriterien:

Kriterium 1: Du und Dein Hund – ein Gesamtkunstwerk namens Familie
Hundetrainer betrachten das „Gesamtkunstwerk“, in dem ein Hund mit seinem Menschen lebt. Die Familienstruktur spielt eine Rolle. Führungsqualitäten beim Menschen des „Problemfelles“ wollen entdeckt und eingesetzt, Körpersprache und Kommunikation verstanden werden und genetische und persönliche Eigenschaften eines Hundes in Entscheidungen integriert. Eine Erstanamnese nimmt Zeit in Anspruch, denn jeder Fall ist so individuell wie seine Akteure auf zwei und vier Beinen.

Kriterium 2: Individuelle Trainingsschritte, nach und nach angepasst
Deshalb ist ein Trainingsplan auch individuell! Ein Hundetrainer hat ein Ergebnis nach der Erstanamnese und gibt dir dann Hausaufgaben mit. Die Umsetzung der Aufgaben werden das Verhalten deines Hundes beeinflussen – sodass beim nächsten Termin eventuell neue Erkenntnisse über dein Tier und eure Situation aufkommen. Entsprechend wird der Trainingsplan angepasst. Das heißt: Anders als im Fitnesstudio bekommst du hier keinen starr fixierten, fest eingetragenen Ablaufplan. Das wäre bescheuert. Individuen in kontextbezogenen Situationen/Herausforderungen können auf keinen Fall innerhalb starrer Formen verhaltenstherapiert werden.

Kriterium 3: Beziehungen werden berücksichtigt
Hunde bauen zu jedem Familienmitglied eine eigene Beziehung auf. Jeder Mensch führt anders. Entsprechend reagieren Hunde auf Menschen in unterschiedlichen Weisen. Hundetrainer sprechen das an und wollen wissen, in welchen familiären Strukturen das Tier lebt.

Kriterium 4: Klare Verteilung von Verantwortlichkeiten
In einer Familie müssen Positionen und Verantwortlichkeiten geklärt sein, um einem Hund Klarheit darüber zu geben, innerhalb welcher Bahnen er sich glücklich und friedlich bewegen kann. Ein Hundetrainer spricht das an. Ressourcenzugriff, Privilegien und Motivationen sind der Boden, auf dem das Gros an Beziehung  aufgebaut wird. Einem Hund müssen Grenzen klar sein, damit er sich wohl fühlt. Wenn Familien in ungeklärten Strukturen leben, finden Hunde nichts, woran sie sich orientieren – und sich verlassen können.

Kriterium 5: Raum für offene, respektvolle und wertschätzende Worte
Vielleicht kennst du das so oder ähnlich: Dein Hund raubt dir mit seinem Verhalten den letzten Nerv. Du schläfst schon nicht mehr gut, hast Angst, das Haus zu verlassen und anderen Hunden zu begegnen. Deine Partnerschaft steht auf der Kippe, die Kinder leiden unter dem Stress zu Hause und deine finanziellen Mittel sind durch die Ausgaben für den Hund bereits erschöpft. Und du? Du liebst dieses Tier so sehr, dass du darüber nachdenkst, den Hund in bessere Hände zu geben – denn du hast versagt.

Diese Gedanken da oben sind häufig bei Hundehaltern, die wirklich an ihre Grenzen gekommen sind! Sie treten zu tausenden täglich auf – und ein Hundetrainer gibt den Emotionen, die bei Hundehaltern entstehen, immer einen Raum. Das hat ganz fachliche, sachliche Gründe: Ein Mensch kann nicht authentisch und klar führen, wenn er emotional am scheitern ist. Hunde identifizieren Führungsschwächen und Führungslücken.

Wichtig: Die wenigsten Hundetrainer sind im Bereich Menschen-Coaching ausgebildet. Das ist okay, es sind Hundetrainer und die sind nun mal auf Hundeverhalten spezialisiert. Wenn du wirklich nicht mehr kannst, rate ich dir, Hilfe bei einem Coach für Menschen (mit Hundeherz) zu holen. Meistens hilft das sehr schnell und du wirst wieder motiviert und stark genug sein, um das Training mit deinem Hund in Angriff zu nehmen. Es ist sehr menschlich, wenn man als Hundehalter vom eigenen Hund an persönlichen Grenzen gebracht wird. Leider wird es nicht oft in der Öffentlichkeit thematisiert und manchmal werden Hundehalter von Hundetrainern sogar gedemütigt, vorgeführt und klein gemacht. Das ist absolut unprofessionell! Du hast es verdient, von einem Hundetrainer respektvoll behandelt zu werden. Wenn du Mist gebaut hast in deiner Hundeerziehung, dann gibt es sozialkompetente Wege, dir deine Fehler bewusst zu machen und dir Lösungen aufzuzeigen. Nichts anderes solltest du erwarten!


Kriterium 6: Fundierte, fachliche Ausbildung mit regelmäßiger Fortbildung

Bestimmt gibt es da draußen ein paar ehrenamtlich tätige Frauen und Männer, die eine mega gute Arbeit am Hund und Menschen machen. Doch die meisten Hundetrainer, die hauptberuflich diesen Job machen, haben in aller Regel eine einjährige, manchmal zweijährige Ausbildung in anerkannten Ausbildungsinstituten absolviert. Sie sind auch vom Veterinäramt zertifiziert. Sie können dir sagen, wo und wann sie zuletzt eine Fortbildung besucht haben und was sie daraus für ihren Praxisalltag gelernt haben. Sie greifen auf Praxiserfahrung bereits in der Ausbildung zurück – und sammeln sie nicht ernst an dir und deinem Hund.

Kriterium 7: Angemessene Bezahlung
Ein Hundetrainer, der in einer deutschen Großstadt für 25 Euro eine Einzelstunde anbietet und dauerhaft an diesem Angebot festhält, der wird davon nicht allein leben können – oder Steuern zahlen. Für dich und deinen Hund bedeutet das im Zweifel, dass dieser Dienstleister kaum seine gesamte Arbeitszeit in Hundetraining und entsprechende Aus- und Fortbildung investiert, denn von irgendeinem Einkommen wird er/sie leben müssen. Wenn du eine gute Arbeit von einem Hundeprofi willst, musst du auch bereit sein, diese Arbeit zu bezahlen. Sicher, manchmal haben wir Pech bei der Auswahl, auch wenn es gut bezahlte Trainer sind. Vergiss nicht, die oben genannten Punkte abzuprüfen. Fühl dem Trainer/in auf den Zahn. Stelle Fragen. Stelle Ansprüche – es geht doch um deinen Hund!

Ein Trainer, der dir vorab eine 10er Karte aufbrummt, bevor er/sie überhaupt einen Finger krumm gemacht hat, ist ebenso unseriös. Wie sollt ihr denn wissen, ob ihr so lange zusammen passt? Manchmal stellt man nach ein paar Stunden fest, dass man menschlich nicht harmoniert. Dann sollte es dir genauso schnell möglich sein, woanders Hilfe zu suchen, wie es leicht sein sollte für den Trainer, dich verabschieden zu können.

PLANE DEINE FRAGEN UND LEGE ENTSCHEIDUNGS-KRITERIEN FEST

Du hast es verdient, die bestmögliche Leistung für Dich und Deinen Hund zu bekommen. Wenn es dir geht wie mir, dann bedeutet dein Hund genauso viel für Dich, wie Deine beste Freundin oder Dein bester Kumpel. Denen wünschst Du auch, dass sie tolle Ärzte und begnadete Therapeuten finden, sollte es ihnen einmal schlecht gehen. Bevor Du Dich für eine Trainingsmethode oder Trainingsphilosophie entscheidest, einen Hundetrainer, einen Tierarzt, eine Operationsmethode, Futter, Gassi-Service – was auch immer – lege ganz genau fest, was dieser Dienstleister für dich und deinen Hund können muss:

  • Welche K.O.-Kriterien gibt es?
  • Worauf willst du auf keinen Fall verzichten?
  • Ist nur die Trainingsmethode oder Trainingsphilosophie wichtig?
  • Ist es dir wichtig, dass der Trainer menschlich zu dir passt? Wenn ja, wie muss dieser Hundetrainer/in sein, damit du ihm/ihr vertrauen kannst?
  • Wo liegt deine finanzielle Schmerzgrenze? Was muss geleistet werden vom Dienstleister, damit du zufrieden bist mit deiner Investition?
  • Gemessen am Stundensatz des Dienstleisters: Wie oft kannst du dir diese Leistung leisten? Kläre ab, wie häufig ihr euch treffen werdet. Es ist oft verhandelbar…
  • Mag der Dienstleister deinen Hund? Woran erkennst du das? Wenn es nicht so ist, würdest du deshalb den Dienstleister wechseln? Worauf achtest du beim nächsten Mal?
  • Mag dein Hund den Dienstleister?

Du hast als Hundehalter die Wahl, welche Schritte du mit deinem Hund gehst. Es ist eine Entscheidung, die du jeden Tag treffen kannst.

Hast du Lust, in die Welt eines Hundetrainers einzutauchen? Magst du wissen, wie andere Leute ihre Herausforderungen mit Hund gemeistert haben? Diese Geschichten könnten dir gefallen:

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