Es gibt sie. Die Hundeweihnachtsgeschichte. Sie heißt „W wie Woo“ und beantwortet die Frage, was alle Menschen und alle Hunde brauchen, um glücklich miteinander zu leben. Ein unmögliches Unterfangen? So viel sei verraten: Zur Weihnachtszeit werden märchenhafte, unvorstellbare Träume wahr…!

 

W wie Woo Hundeweihnachtsgeschichte

Es war einmal ein junger Mann namens Jonathan. Das bin ich. Ich war ziemlich unglücklich und bei weitem nicht zufrieden mit meinem Leben. Bis ich… ja, bis ich eines Tages etwas Unglaubliches zur Weihnachtszeit erlebte. Etwas, das mein Leben für immer aus den Angeln hob, wie eine Frisbee durch die Luft wirbelte und schließlich zwischen die Pfoten eines Hundes schubste. Dort liegt mein Leben jetzt und wenn ich nicht gestorben bin, dann liegt es da noch immer.

Kapitel 1 – „Die Baumallee“

Alles begann mit einer Frage: Weshalb spricht die christliche Welt von einer stillen Weihnacht? Die meisten Weihnachtslieder und Weihnachtsgeschichten wollten so gar nicht zu dem passen, wie ich selbst Dezembermonate erlebte: hektisch, erdrückend, nasskalt und verkatert. Verkatert, weil ich von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier eilte. Nasskalt, weil der Klimawandel doch längst all den Schnee aufgefressen hatte, der mir als Kind noch ein Spielkamerad war. Hektisch, da sich der Trubel in der Stadt verzehnfachte, wenn nicht gar verhundertfachte. „Du hast erdrückend vergessen“, unterbrach da eine helle Stimme meine finstere Gedankenwelt zur Weihnachtszeit.

Die Stimme hatte nicht nur meinen Stechschritt unterbrochen. Sie löste auch meinen starren Blick vom Boden und beschleunigte meinen Herzschlag. Ich sah mich um. Es eilten unzählige Menschen diese Baumallee entlang, doch zu niemandem passten die Worte so recht. Bald tat ich so, als würde ich nach dem Weg schauen, denn wenn einer so hilflos um sich blickte, da erkannte man doch gleich einen Zeitgenossen, der sein Leben nicht im Griff hatte. Ziellos und planlos wollte ich auf keinen Fall wirken. Also tat ich geschäftig und fokussiert. „Es interessiert vermutlich niemanden, was du gerade machst“, hörte ich erneut dieselbe Stimme. Diesmal erkannte ich, dass sie aus dem Gebüsch am Wegesrand kam. Mit zwei Einkaufstüten in beiden Händen, starrte ich ungläubig auf das grüne Gestrüpp, welches sich nun rüttelte und schüttelte.

Erneut blickte ich hilfesuchend um mich. War irgendein TV Sender im Spiel? Eine Art versteckte Kamera? Wenn ich nun einfach weiterging und so tat, als hätte ich nichts gehört oder gesehen, würde man mich bestimmt an der nächsten Ecke anhalten. Da wäre dann ich selbst einer jener Menschen, über die ich normalerweise vor dem Fernseher lachte oder den Kopf schüttelte. Ich überlegte, welche Reaktion meinerseits ein Schulterklopfen der Leute einbringen würde? Ich wollte etwas tun, das alle cool fänden. Beim nächsten Jahresrückblick wäre ich ganz vorne mit dabei. Schon sah ich den Titel in den Fernsehzeitschriften stehen: Die 10 besten Reaktionen von Menschen in unheimlichen Situationen. Ich entschied mich, ein gelassenes Gespräch mit der Stimme zu führen. Wahrscheinlich hatten die Leute vom Fernsehen einen Lautsprecher im Gebüsch platziert und jemand zog hin und wieder an einer Schnur, um das Gebüsch zum Wackeln zu bringen.

Kurzerhand stellte ich die prallgefüllten Tüten ab und hockte mich vor das verschneite Gestrüpp. „Hi. Ich bin Jonathan. Muss ganz schön kalt und dunkel sein da drin, was?“ begann ich lässig unser Gespräch. „Es geht. Ich hab schon unbequemere Orte gesehen“, kam es als Antwort zu mir zurück. „Unbequemer als das?“ fragte ich verwundert. „Ja. Viel unbequemer“, gähnte es aus der Dunkelheit. „Oh, langweile ich dich?“ lachte ich angestrengt ins Gebüsch. Schließlich wollte ich zusätzlich auch noch lustig wirken. Gut gekleideter junger Mittzwanziger Typ mit gepflegtem Dreitagebart und sorgsam ausgesuchter Brille, hält sympathisch ein Schwätzchen mit einem Busch. Das würden die Leute bald auf ihren Flachbildschirmen sehen. „Nein, nein. Ich bin nur müde. Es war eine lange Nacht. In letzter Zeit machen meine Knochen nicht mehr so gut mit. Ich bin wohl doch in die Jahre gekommen. Keine Ahnung, wie lange ich noch lebe. Vielleicht ist das ja mein letzter Winter, wer weiß das schon?“ antwortete der Busch nachdenklich.

Krampfhaft klammerte ich mich an meiner Idee von Coolness und Witz fest. Das hier war makaber. Es war der Tag vor Weihnachten. Vom Tod sprechen… passte da einfach nicht. „Euch Menschen passt vieles nicht. Eigentlich passt euch gar nichts, das unangenehm ist. Wenn euch etwas auf den Zeiger geht, da guckt ihr entweder weg oder tut so, als wäre es nicht da. Oder ihr macht es kaputt. Ignorieren oder drauf hauen, bis es weg geht. So lösen die meisten von euch Probleme“, kam es da als pfeilschnelle Antwort aus dem Gebüsch geschossen. Das Problem, das ich in dieser seltsamen Erwiderung sah, war folgendes: Ich hatte meine Feststellung über das makabere Thema zur Weihnachtszeit gar nicht laut ausgesprochen. Ich hatte sie bloß gedacht.

Da dämmerte es mir. Diese Stimme antwortete auf meine Gedanken. Die ganze Zeit schon. Und das, beim besten Willen, lag nicht in der Macht eines TV Senders! Menschen konnten keine Gedanken lesen. Auch die Medien-Gurus nicht. Obwohl ich in der Hocke saß, knickten meine Beine weg. Ich verlor den Halt und plumpste auf matschigen Boden. Zwar spürte ich, wie blitzschnell eisige Nässe meinen Hintern entlang kroch, doch das war mir jetzt egal, denn aus dem Gebüsch schauten nun zwei rotbraune Pfoten hervor, die von grauen Silberfäden durchzogen waren. Ich schluckte schwer. Das waren Hundepfoten, eindeutig. Ich mochte Hunde nicht besonders. Sie stanken und kackten täglich in die Baumallee. Sie kläfften Passanten an und störten Radfahrer oder Jogger, vermutlich in jedem Park auf dieser Welt. „Ja, da hast du schon recht. Wir tun das alles. Doch nicht alle von uns. Manche Hunde haben an Joggern oder Fahrradfahrern wirklich kein Interesse“, kam es prompt aus dem Gebüsch. Ich fasste mir an die Stirn. Hatte ich Fieber? Im Fieberwahn hörte man Stimmen, das hatte ich mal irgendwo gelesen. Zwischen den Pfoten tauchte nun eine schwarze Hundeschnauze auf und schließlich schob sich ein rotbrauner Kopf mit dunklen Kulleraugen hinterher…

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Foto:
Alex Blăjan

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